Das Blut der Akkadier

Ein Herz voller Sehnsucht. Eine Seele aus Schokolade. Und zwei Bestien, die nicht voneinander lassen können.

CoverBlut

In den Straßen der australischen Küstenstadt Perth tobt seit Jahrhunderten ein Krieg, von dem die Menschen nichts ahnen.

Brix glaubt, er sei der einzige Akkadier, der den seelenfressenden Taryk in diesem Winkel der Erde Einhalt gebietet. Da begegnet er der amazonenhaften Akkadia Ella, die ihn auf betörende Art an jene Frau erinnert, der einst sein Herz gehörte und die vor 168 Jahren in den Fronten dieses Krieges zu Tode kam.

Obwohl Brix noch immer unter dem Verlust leidet, schließt er sich mit Ella zusammen. Denn die Taryk sind längst nicht die größte Bedrohung für die Einwohner von Perth.

Seiten: ca. 70
Preis: 0,99 EUR
2. Auflage erschienen: 6. Dezember 2014

Leseprobe

Auszug Kapitel 1

Kurz vor Sonnenaufgang saß Ella auf dem Dach der neu gebauten Mietwohnungen Brewer Street Ecke Thorley Street und blickte auf den Eingang zum Stadion Perth Oval. Erst vor wenigen Tagen hatte Rod Stewart dort ein Konzert gegeben. Und Ella hatte genau an der gleichen Stelle wie jetzt gelegen und begeistert zugehört.
Der dämliche Akkadier war bislang nicht aufgetaucht. Sie wollte sich keine Sorgen machen, konnte es aber kaum verhindern. Sie hätte ihn nicht allein lassen sollen, verfluchter Mist! Wenn er nun heulend vor dem Grab zusammengebrochen war und … Ella schüttelte den Kopf. Er hatte zwar mitgenommen gewirkt, aber so ein Weichei war er auch nicht. Die harten Linien in seinem Gesicht ließen eher das Gegenteil vermuten. Genauso wie die Stoppeln und der Bart, die angenehm scheuern mussten, wenn man sich daran rieb.
„Ella, du brauchst dringend einen Kerl“, flüsterte sie sich selbst zu. So scharf war sie seit Ewigkeiten nicht gewesen. Lag sicher nur an der Hitze und der andauernden Trockenheit.
Am Horizont kündete sich der Morgen in einer gelborangenen Linie an. In zehn Minuten würden die ersten Sonnenstrahlen zu sehen sein. Dann durfte die Akkadia nicht mehr hier herumsitzen.
„Tja. Pech gehabt, Brix.“ Sie hatte ihm gesagt, dass sie nicht warten würde.
Ella sprang vom Dach und kehrte dem Stadion den Rücken zu. Doch plötzlich erklang ein Schrei hinter ihr. Sie schnellte herum. Eine Joggerin starrte entsetzt auf einen dunklen Berg am Boden. „Brix?“ Er musste gerade erst dort aufgetaucht sein.
Die Akkadia brauchte nur ein Augenzwinkern, um sich zu entscheiden. Sie würde ihn sicher nicht der Sonne überlassen.
Ella rannte blindlings über die Straße, ignorierte das wütende Hupen des Autofahrers und ging neben dem Riesen auf die Knie.
Sie faselte der Joggerin irgendetwas zu, das sie dazu brachte, wegzulaufen. Sollte ihr recht sein.
„Brix, verflucht! Mach die Augen auf! Wir müssen hier weg!“ Ella rollte ihn auf den Rücken und entdeckte unter dem Mantel eine klaffende Wunde von der Größe seines Unterarms. „Ach, du Scheiße!“
Ihr Blick schnellte Richtung Horizont. Wenn sie sich doch nur teleportieren könnte!
„Komm hoch, du Mistkerl. Ich lass dich hier nicht krepieren!“ Sie wuchtete sich seinen viel zu großen Körper schräg über ihre Schulter und lief halb gebückt zurück in die Seitenstraße. Seine Füße schleiften über den Asphalt. Ihr stand der Schweiß auf der Stirn, was jedoch nicht an seinen hundertdreißig Kilo, sondern am nahenden Tageslicht lag. Ihre Bestie wollte raus und sich in der Sonne aalen, vibrierte nervtötend durch Ellas Körper und brachte sie viel zu dicht an ihre Grenzen. Ältere Akkadier schafften es, die Verwandlung selbst bei voller Bestrahlung ein paar Minuten hinauszuzögern – auch so eine Sache, die sie härter trainieren musste.
Sie brüllte. Schleppte sich mit dem letzten Rest Selbstbeherrschung um die Ecke und entkam der Sonne. Ella stieß die Metalltür zu ihrer Wohnung auf und brachte sich und den Koloss ins schützende Dunkel. Hinter ihr knallte die Tür ins Schloss. Brix stöhnte schmerzerfüllt. „Oh ja. Das hier ist ja so anstrengend für dich“, knurrte sie und versuchte wieder klar im Kopf zu werden, atmete ein paar Mal tief durch. Halbherzig ließ sie das schwere Vorhängeschloss einrasten und bugsierte den Akkadier neu auf ihrer Schulter, wobei sein Kopf genau vor ihre Brüste rutschte. „Wenn du anfängst zu sabbern, bist du tot!“, murmelte sie und marschierte mit ihm die Metalltreppe hinauf.
Im zweiten Stock befand sich die eigentliche Wohnung. Ein Loft mit großen Fenstern, vor die irgendjemand Holzverschläge genagelt hatte. Wenn der Vermieter fragte – Ella war es natürlich nicht gewesen. Diverse Metallträger wuchsen wie Säulen durch den Holzboden und teilten den Raum.
Die Akkadia betätigte einen Lichtschalter, sodass kleine kugelförmige Lampen auf dem Boden angingen und den Loft in warmes Licht tauchten. Mit Brix an der Backe ging sie um den Fernseher und die Couch herum, stieß den Boxsack beiseite und die Hantelbank mit dem Fuß einen Meter zurück. Ella überlegte, ob sie ihn aufs Bett werfen sollte, wollte allerdings keine goldenen Blutflecken auf ihrer Lieblingsbettwäsche. Also musste der Teppich herhalten. Mit einem Grunzen fiel Brix zu Boden und blieb regungslos liegen. Ella schnallte den Hüftgurt ab, warf ihn in den Sessel und kniete sich zu der schlafenden Prinzessin.
„Hey Brix, wach auf. Es gibt Kaffee!“, sang sie. Er stöhnte kurz. Mehr nicht. Unter seinen flatternden Lidern huschten die Augäpfel hin und her. Schweiß und Dreck bedeckten sein Gesicht. Und er stank nach Taryk, als hätte er in ihnen gebadet. „Nun komm schon. So schlimm ist der kleine Stich jetzt auch wieder nicht.“
Ella hob den Mantel an und wurde eines Besseren belehrt. „Scheiße, was hast du bloß angestellt? Dummer, dummer Junge!“
Sie befreite ihn aus dem stinkenden Leder und hob das schwarze T-Shirt vorsichtig bis zur Brust hoch. Gebräunte Haut spannte sich über straffen Muskelsträngen. Unterhalb seines Bauchnabels verlief eine Spur dunkler Härchen südwärts. Nur die klaffende Wunde störte den netten Anblick. Von der Brust bis zum Hüftknochen war seine Haut aufgespalten. Fleisch und Blut glitzerten golden – so sah jeder Akkadier von innen aus. Das Einzige, was nicht passte, war die teerartige Flüssigkeit in der Wunde. „Ist das Tarykblut?“
„Gift“, keuchte Brix.
„Gift? Wie … vergiftet? Womit denn?“
Er stöhnte nur.
„Ach Mann, du bist auch keine große Hilfe!“ Was sollte sie jetzt tun? So etwas hatte sie noch nie gesehen.
„Blut“, stieß er aus. „Brauche … Blut.“
„Das kannst du mal schön vergessen. Ich schleppe dir keinen Menschen her. Draußen macht sich grad die australische Supernova breit!“
„Von … dir!“ Seine Worte erstickten in einem schmerzerfüllten Jaulen. „Ich … sterbe.“
„Nein, du stirbst nicht! Das erlaube ich dir nicht, sonst reißt mir Elias meinen süßen Hintern auf!“ Ella rang mit sich. Das Blut eines Akkadiers besaß starke Heilkräfte und puschte die Bestie des Trinkenden wie Speed. Nur ohne Nebenwirkungen.
Ella senkte ihren Kopf an seine Brust. Brix’ Herz schlug kaum noch.
„Ach, scheiß drauf!“ Sie ließ ihre Fangzähne ausfahren, nahm den rechten Arm zum Mund und biss zu. Ein kurzer Schmerz wallte durch ihren Körper. Das Blut floss. Sie drückte Brix’ Kiefer auf und hielt die Wunde an seine Lippen. Und sie hatte Recht gehabt – sein Bart kratzte angenehm.
Es dauerte genau zwei Sekunden.
Der Akkadier riss seine weiß glühenden Augen auf, packte ihren Arm mit beiden Pranken und biss zu. Mit einer Rohheit, die sie ganz und gar nicht kalt ließ. Seine Fänge bohrten sich tief in ihr Fleisch und reizten ihre eigene Bestie. Ellas Augen glommen auf, als Naham den rüpelhaften Angreifer betrachten wollte. Ihr Pulsschlag beschleunigte sich. Ihr Atem ging stoßweise. Und Brix saugte wie ein Ertrinkender. Seine Augen fixierten Ella, als würden ihm ganz andere Gedanken durch den Kopf gehen. Unweigerlich begann es in ihrem Schoß zu kribbeln. Die Akkadia senkte den Blick, traute sich selbst nicht über den Weg. Und als sie die Ausbuchtung in seiner Hose entdeckte, lief ihr tatsächlich das Wasser im Mund zusammen.
Ella gab sich den Empfindungen hin, ließ den Kopf in den Nacken fallen und schloss die Augen. Sie hätte nicht geglaubt, dass es dermaßen anregend sein konnte, jemandem Blut zu geben. Vielleicht lag es an Brix. Vielleicht an ihrer langen Trockenphase. Spielte keine Rolle. Denn nur einen Herzschlag später wurde sie von einer Dampfwalze nach hinten und zu Boden geworfen. Brix ragte wie ein Riese über ihr auf, hielt ihre Arme mühelos fest. Seine Muskeln am Hals waren zum Zerreißen gespannt. Er hatte den Mund wie ein Raubtier zurückgezogen und von den Fängen tropfte Blut auf ihre Lippen.

Ende der Leseprobe