Sie jagte die Schatten. Er wählte die Liebe. Und der Himmel versank im Chaos.

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Nach 4000 Jahren entsagt Halbgöttin Jolina von Abenteuerlust getrieben allen Regeln und Pflichten, die ihr der Dienst als Ahne der Akkadier auferlegte. Auf den Spuren ihres einst verbannten Bruders in der Hölle des Götterreiches Enûma ist der zwielichtige Krieger Daman ihr einziger Verbündeter. Doch selbst er versucht, sie mit allen Mitteln zu verführen und zu der Seinen zu machen. Zwischen Bissen und Küssen beginnt eine Hetzjagd, die Jolina und Daman an ihre Grenzen treibt.

Seiten: ca. 500
Preis: 4,99 EUR
erschienen: 10. Februar 2015

 

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Seiten: ca. 100
Preis: GRATIS
erschienen: 24. Juli 2015

Leseprobe

Auszug Kapitel 1

Schattenseite Enûmas, Gegenwart

Jolinas Locken blieben an einem Ast hängen. Sie rannte weiter, ohne den Schmerz zu beachten, hetzte durch die Dunkelheit des Waldes und riss sich Kleidung und Haut auf. Ihr Atem rasselte durch die Lungen, ihre Beine protestierten. Hinter ihr näherten sich die Lichter. Moali – so hatte Daman sie einst genannt. Mit einer dieser Kreaturen hatte Jolina bereits auf der Lichtseite des Götterreiches Bekanntschaft gemacht. Diese Fleischfresser projizierten Trugbilder bei ihren Opfern und machten sie damit gefügig, um sich genüsslich zu sättigen. Die Halbgöttin wusste, wie friedlich sich dieses Gefressen werden anfühlen konnte. Mit welcher Selbstverständlichkeit man die eingeflößten Bilder auf sich wirken ließ und alles um sich herum vergaß. Doch dieses Mal gab es keine besänftigenden Erinnerungen, die ihr in den Kopf gepflanzt wurden. Diesmal gab es eine Hetzjagd.
Jolina rannte durch den Wald, sprang über Baumstämme, duckte sich unter Ästen und verfluchte Bogen und Köcher, die bei jedem Schritt gegen ihren Rücken schlugen. Damit hatte sie keine Chance gegen die Meute. Helfen würde jetzt ein wutschnaubender Sator. Zum Beispiel jener, der sie auf die Kehrseite gebracht hatte. Doch Jolina war allein in dieser Finsternis angekommen. Von Daman und seinem Freund Goran, dem stierähnlichen Alimbû, fehlte jede Spur.
Das hatte sie nun davon. Abenteuer, eine Herausforderung hatte sie gesucht. Etwas vollkommen anderes, als die stupide Ahnentätigkeit als Tochter einer Kriegsgöttin, die seit zigtausend Jahren ihr Leben bestimmte. Ob das undankbar war? Natürlich war es das. Jolina hatte ihrer Mutter und den Brüdern, selbst ihren Akkadiern auf der Erde mit Durchschreiten des Tores Baskhardan den Rücken zugekehrt. Hatte sie alle im Stich gelassen. War freiwillig ins Exil gegangen. Wer zu solcher Dummheit fähig war, gehörte wohl hierher. 
Dann war da noch die Sache mit dem Sator, besser gesagt dem König der Satoren, der sie nicht grundlos begleitet hatte. Denn nur ein Mann des Feuervolkes konnte die blauen Flammen zur Kehrseite überstehen und Jolina den Durchlass ermöglichen. Daman hatte fürchterliche Verbrennungen davongetragen, und Jolina sorgte sich ungeachtet ihrer eigenen Situation um ihn.
Sie stieß mit der Schulter gegen einen Baum und kam ins Straucheln. Ihre rechte Sandale verfing sich an einer Wurzel.
Jolina stürzte und schlug mit dem Kopf gegen harte Rinde, versuchte sich wieder aufzurappeln und konnte in der Dunkelheit doch kaum etwas erkennen. Das röhrende Grunzen der Moali wurde lauter. Ihre Lichter kamen näher. Die Halbgöttin stolperte vorwärts, stützte sich an den Bäumen ab. Etwas Scharfes erwischte ihr linkes Bein. Jolina schrie auf, konnte aber entkommen.
Wo zum Teufel steckten Axt schwingende Alimbû und gehörnte Satoren, wenn man sie brauchte?!
Die Halbgöttin rannte so schnell, wie sie konnte. Doch plötzlich gab die Erde unter ihren Füßen nach. Die Bäume beugten sich nach außen und wurden eins mit dem Boden. Der Wald verformte sich, verschwand und wurde zu einer weitläufigen Ebene. Daman hatte es angekündigt – die Landschaft der Kehrseite besaß ein Eigenleben. Ob das von Vorteil war, würde sich noch zeigen.
Jolina tauchte von einem auf den anderen Moment in eiskaltes Wasser, das ihre Kleidung sofort durchdrang. Ein reißender Strom zerrte sie flussabwärts. Panisch versuchte sie, an der Oberfläche zu bleiben. Hatte nie zuvor schwimmen müssen. Ob sie unter Wasser atmen konnte, wusste sie nicht.
Jolina wurde um ihre eigene Achse gewirbelt. Die Moali hetzten auf allen vieren am Ufer entlang. Es mussten an die zwanzig sein. Lange krallenbesetzte Gliedmaßen saßen an einem knochigen, von schwarzer Lederhaut umspannten Körper. Die Köpfe glichen nackten Raubtierschädeln mit fangartigen Zähnen, und über leeren Augenhöhlen prangte das verführerische Licht. Doch bevor Jolina in dessen Bann gezogen wurde, zerrte sie der Fluss um eine Kurve und ließ sie untertauchen. Wasser flutete ihren zum Schrei geöffneten Mund, drang kalt in ihre Lungen und versetzte ihren Körper in Todesangst. Sie riss die Augen auf und sah nichts als Finsternis. Kämpfte sich hustend wieder hoch. Jolinas Kopf stieß gegen einen Stein, und das Wasser trieb die Luft aus ihren Lungen. Ihre Knie schrammten über den scharfkantigen Wassergrund. Ein letztes Mal noch sah sie die weißen Lichter. Dann stürzte der Fluss in die Tiefe.
Jolina fiel rückwärts ins Bodenlose. Kalter Wind peitschte über ihre nasse Haut. Sie sah die Wassermassen über sich, spürte ihre tonnenschwere Last. Und schlug mit dem Rücken auf Beton, so fühlte es sich an. Ein schriller Schmerz trieb ihren Adrenalinpegel an die Grenzen zur Bewusstlosigkeit. Dann verschwand das ohrenbetäubende Rauschen wie unter einer Glocke. Wasser schloss sich über ihr und drückte sie nach unten. Die Zeit kam zum Stillstand. Schwärze verschluckte sie. Sie hörte nichts. Atmete nicht. Verlor jegliche Kraft.

Jemand zerrte an ihrem Körper, zog sie aus dem Wasser auf kalten Sand. Als Jolina zu sich kam, lag sie am Ufer und hörte den Fluss tosen. Ihre Lungen verlangten panisch nach Luft und stießen das eingeatmete Wasser aus. Jolina beugte sich zur Seite. Spuckte und hustete. Ihr Rachen kratzte. Ihr Brustkorb schmerzte. Aber sie schien in Sicherheit zu sein.
Etwas schnaufte.
Jolina zuckte zusammen und hielt inne. Öffnete die Augen und sah zwei riesige Pfoten, deren dunkle Klauen sich langsam in den Boden gruben.
Es schnaufte erneut. ▼ Weiterlesen

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