Endlich wieder Februar

Herzlich Willkommen, du räudiger Hund.
Du hässliches Etwas, mein wundester Punkt.
Der allerbeste Grund, um alles einzureißen.
Warst nur gut darin, große Ziele klein zu falten.
Und jetzt bist du wieder da, das letzte, was ich brauch, das beste was ich hab.
Deine Schönheit bleibt im Innersten verborgen,
nur was dich überlebt, ist von Bedeutung für Morgen.

Eine graue Stadt

Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich überall Grau. Graue Straßen, graue Bäume, graue Wolken, graue Gesichter. Unser Winter zeigt sich in fragwürdiger Schönheit und das bedrückt. Zu kalt, zu warm, zu nass, zu windig, zu viel Schnee, zu wenig Schnee, zu wenig Sonne, überhaupt viel zu wenig Licht. Grauer Matsch an den Straßenrändern, gelbe Flecken, aus denen man keinen Schneemann bauen möchte, unfähige Autofahrer, zu ängstlich, zu langsam, zu schnell, zu lebensmüde. Nichts ist richtig. Wir sind deprimiert, meist schon aus dem einfachen Grund, weil uns Vitamin D fehlt, ausreichend Sauerstoff und Zeit in der Natur, die wir im Sommer ja viel lieber draußen verbringen.

Endlich wieder Februar,
niemand lacht mir kälter ins Gesicht.
Was wär das Jahr bloß ohne dich?

Mein Winter im Herzen

Aber wenn ich meine Augen schließe, sehe ich einen anderen Winter. Ich sehe mit Frost gerahmte Fensterscheiben, durch die ich nach draußen auf ein von Reif überzogenes Feld blicke. Dampf, der aus der Tasse mit heißem Kaffee in meinen Händen aufsteigt. Ich sehe warme Strickdecken, Feuer im Kamin, höre die alten Holzbalken im Haus unter der Last des Winters ächzen. Ich trete auf die Veranda und blicke auf den entfernten Eissee, über dem Morgennebel schwebt. Und ich höre Hundegebell und die Katze neben mir schnurren, wenn ich sie mit meinen dicken Strickhandschuhen streichle. Ich sehe Elche, die in Seelenruhe über das Feld stapfen, Kinder auf zugefrorene Pfützen springen und höre das Eis leise brechen. Ich sehe tiefgrüne Wälder, schwere Tannenzweige, auf denen weißes Puder liegt. Jeder Zweig, jeder Grashalm, jede Ähre hat einen weißen Rahmen bekommen, als wollte die Natur alles betonen, was ihr am Herzen liegt. Über mir klirren gefrorene Regentropfen, die vom Dach baumeln, und durch die Wolkendecke stehlen sich einzelne Sonnenstrahlen und lassen das Eis glitzern. Winzige dunkle Flocken fallen vom Himmel, legen sich weiß auf die Erde und bringen eine friedliche Stille mit sich.

Es gibt diesen Ort irgendwo auf der Welt. Und vielleicht sieht es dort jeden Tag im Winter so aus. Auch wenn ich nicht dort bin, ich sehe und fühle ihn – den Winter in meinem Herzen, der immer da ist und immer lächelt. Und wenn ich die Augen jetzt öffne, lächele ich auch und alles um mich herum sieht ein bisschen schöner aus.

Zitat von OK KID, Es ist wieder Februar

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