Vor Mauern sitzen – Gedanken an mein Herz

Es gibt Tage, an denen ich mich weit weg von mir selbst fühle, ohne sagen zu können, warum. Ich kann dann nicht erfassen, was mit mir los ist. Was meine Unruhe auslöst, meine Unzufriedenheit, die nur ganz leise in mir rumort, kaum wahrnehmbar. Die mich aber dennoch beeinträchtigt und meine Schultern erschwert. Tage, die von einer inneren Taubheit bestimmt werden, als hätte jemand einen Schalter umgelegt und meine Emotionen weggesperrt. Und nichts zu fühlen, macht mir Angst.

Dann neige ich dazu, mich unter Druck zu setzen: Nun fühl doch mal was! Was ist denn mit dir los? Geht’s dir jetzt gut oder schlecht? Komm, eigentlich bist du doch richtig glücklich, immerhin hast du keinen Grund, dich zu beschweren. Das geht dann so weit, dass ich krampfhaft – aber nach wie vor unbewusst – versuche, Gefühle durch bestimmte Handlungen hervorzuholen und zu erzwingen, mich dann selbst enttäusche, wenn das nicht klappt oder sich das Ergebnis einfach falsch anfühlt. Und wenn ich an den Punkt komme, an dem ich das alles registriere, bin ich innerlich völlig genervt. Auch davon, dass ich mich mal wieder selbst unter Druck setze. Aber leider sind das Automatismen, die sich schwer kontrollieren lassen und die man auch nicht von heute auf morgen ablegt.

Aber neulich gab es einen Lichtblick in meinem selbst gebauten Tunnel, ausgelöst durch den schönen Satz: Ich lebe einfach. Genau. Stimmt ja. Ich muss weder jemand Bestimmtes sein noch etwas Bestimmtes fühlen, nicht einmal für mich selbst. Ich muss weder besonders gut drauf noch besonders traurig sein. Das einzige, was gegen die Taubheit hilft, ist Verständnis mir selbst gegenüber. Dasselbe Verständnis, dass ich auch einem lieben Menschen entgegenbringen würde. Denn mein Nicht-Fühlen zu bekämpfen, ist, als renne ich gegen selbst erbaute Mauern, um an mein Herz heranzukommen, was irgendwo dahinter ist. Aber dagegen zu rennen, bringt nichts außer Kopfschmerzen und Frust. Vielleicht reicht es, mich vor die Mauer zu setzen und meinem Herzen etwas zuzurufen. Ihm zu sagen: Hey es ist okay, wenn du gerade nichts fühlen möchtest … Ich bin hier auf der anderen Seite und warte einfach, bis du wieder rauskommen möchtest. Lass … dir Zeit und gönn dir die Pause. Es ist okay. Wirklich.  Ruh dich aus und atme durch, dann hast du wieder Kraft für die nächste Achterbahnfahrt mit mir.

Und mein Herz würde wohl antworten: Kopf, entspann dich! Ich mach das schon. Unser Leben besteht nicht nur aus allerhand Gefühlen, sondern auch aus den stillen Phasen dazwischen, in denen wir einfach nur sind. Hör auf zu denken und lebe einfach 💛

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