Selene

|…| Selene lächelte schwach. „Ich wüsste momentan gar nicht, wo ich anfangen sollte. Ich finde ja nicht mal einen Grund aufzustehen. Da … ist dieses riesige Loch, das mich nach unten zieht. Ich weiß nicht mal, wofür ich eigentlich hier bin. Was ich noch aus meinem Leben machen soll.“
Julia schaute sie mit großen Augen an. „Der Grund, warum du hier bist, bist du! Es ist dein Leben. Aber … niemand kann dir abnehmen, dich dafür oder dagegen zu entscheiden.“
„Und was soll ich daraus machen?“
„Das kannst du leider nur selbst herausfinden. Hör in dich hinein. Was sagt dein Herz?“
„Mein Herz … sagt momentan nicht viel. Es heult und jammert und will nicht mehr. Und das Nicht-mehr-wollen klingt manchmal ziemlich verlockend.“ Selene konnte Julia nicht in die Augen sehen. Ihr wurde bewusst, wie sehr sie sich nach einer Erlösung sehnte.
Julia nahm ihre Hand mit Tränen in den Augen. „Selene …“
„Es tut so weh.“
Ihre Freundin schwieg einen Augenblick lang. „Du musst momentan auch nicht wollen. Widme dich deiner Trauer. Sie ist … die schmerzhafteste Form von Liebe und trotzdem ist sie Liebe. Solange du sie leugnest oder unterdrückst, wird es nur schlimmer. Nimm dir Zeit für sie und tue, wonach immer dir ist. Den ganzen Tag schlafen oder heulen oder aus dem Fenster starren. Spielt keine Rolle, Hauptsache du tust, was du momentan am meisten brauchst.“
„Aber das ist doch kein Leben, sich so zu verhalten. Das ist … erbärmlich.“
„Das ist Trauer.“ Julia zuckte mit der Schulter. „Du bist ein Mensch und das Größte, wozu dein Herz im Stande ist, sind deine Gefühle. Das ist ein Geschenk, auch wenn es sich momentan nicht so anfühlt.“ |…|

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*