Etwas ist geblieben

Ich stehe dicht am Abgrund, vor meinen Schuhen die Klippe und das offene Meer. Sonnenstrahlen gelangen vereinzelt durch die Wolken und beleuchten die Wasseroberfläche. Die Wellen rollen unermüdlich, brechen an den Felsen. Meine Hände sind kalt, trotzdem verstecke ich sie nicht in den Taschen. Der Wind kühlt mein Gesicht, kriecht unter die Klamotten und lässt mich frösteln. Genau hier spüre ich es – das Gefühl von Weite in meiner Brust. Ich atme tief und frei, als könnte ich die Welt in mich aufnehmen. Als würde der Wind durch mich hindurchwehen und mich davontragen. Stetes Rauschen erfüllt meine Sinne, Salzluft und der Duft von nassem Gras. Ich balle meine Hände zu Fäusten, um der Kälte entgegenzuwirken. Trotzdem könnte sie kaum willkommener sein.

Lächelnd drehe ich mich um und steige den Hügel hinab. Bei jedem Schritt spüre ich mein Gewicht, das nie leichter war. Unten angekommen gehe ich zum Auto, meine Stiefel knirschen auf dem nassen Sand. Ich steige ein, schnalle mich an, lasse alle Fenster herunter und umfasse mit kalten Fingern das Lenkrad. Der Motor startet, ich gebe Gas, beschleunige und steuere durch die Pfütze. Der Wagen springt und das Wasser spritzt zu beiden Seiten des Fahrzeugs hoch. Mein Herz fliegt.

Etwas ist geblieben. Die Erinnerung an ein Gefühl. Ans Ende der Sehnsucht.

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