Ertrinken … und wieder auftauchen

„Wunden sind Orte, über die das Licht in uns eintritt.“ – Rumi

Ich überlege oft, wie ich mit Trauer umgehen soll. Mit persönlichem Kummer … Jeder von euch kennt sie – Dinge, die uns traurig machen, Erlebnisse, die uns gezeichnet haben. Jeder von uns ist mal wegen etwas deprimiert, bis hin zu dem Gefühl von völliger Starre erfasst zu sein, weil wir befürchten, beim kleinsten Zulassen des Schmerzes völlig zu ertrinken. Und es ist wie ein Ertrinken. In Tränen. In Kummer. Hilflosigkeit. Doch je mehr wir die Gedanken und Gefühle für uns behalten, desto mächtiger werden sie. Desto stärker schwelen sie in uns. Unausgesprochen, ungeteilt, voller Wucht und Härte.

Ich hoffe immer, dass es nur vorbeigeht, wenn ich lang genug schweige und verharre. Abwarte, dass dieser innere Druck von allein verschwindet. Das tut er selten. Abstand hilft. Ablenken hilft. Aber nichts davon befreit uns vom eigentlichen Kern der Trauer. Der Schmerz bleibt. Manchmal weiß ich nicht weiter. Manchmal fühle ich mich so gefangen in der Lethargie, dass ich weder vor noch zurück komme …

Traurig zu sein gehört zum Leben genauso wie Fröhlichkeit. Wir dürfen nicht fragen, warum uns etwas passiert. Warum uns etwas trifft. Warum uns etwas solche Schmerzen bereitet. Auf diese Fragen wird es nie eine Antwort geben. Also dann, was machen? Was gar nicht hilft, ist darauf herum zu denken. Das liefert dem Kummer nur noch mehr Nahrung. Es ist, wie es ist. Und nichts innerhalb unseres Verstandes wird etwas daran ändern. Heulen und rauslassen, wegatmen, wegtanzen, jammern und rausschreien? Was immer euch hilft.

Ich glaube, je öfter wir unseren Schmerz teilen, desto kleiner wird er. Und wenn es niemanden gibt, mit dem ihr darüber reden möchtet oder könnt, dann teilt ihn auf andere Art und Weise. Schreibt eure Gedanken auf. Malt ein Bild. Erschafft etwas, das euren Schmerz ausdrückt und lasst ihn frei. Immer wenn ich darüber schreibe, geht es mir danach besser. Wenn ich ein Bild male, dass meinen Kummer zeigt, gebe ich ihm damit den Raum, den er braucht. Er gehört zu mir und hat das Recht, gefühlt zu werden. Ich akzeptiere ihn. Er macht mich, wie alles andere, komplett. Und mit jedem Mal, da ich meine Trauer anerkenne und zulasse, gebe ich einen Teil von ihr fort, und sie wird ein bisschen kleiner. So wie jetzt …

„Meine Traurigkeit ist glücklich, weil ich sie liebe.“ – Samarpan

Und ich danke dir dafür, dass du bis zum Schluss gelesen hast!

Ein Gedanke zu “Ertrinken … und wieder auftauchen

  1. Pingback: Warum so persönlich?! Wenig Sinn, viel Gefühl | Jordan Bay

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